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Flügelt ein kleiner, blauer Falter ...
Verfolgen sie die Wanderwege der Glasmacher auf der Landkarten-Sonderseite
Chronologische
Glasmacherliste der
im Buch vorkommenden
Personen von etwa
1406-1820
 

Die alphabetischen Register der im Buch vorkommenden Familiennamen nebst Orts- (und Glashütten-) namen ist online verfügbar im alphabetischen
Register zum
Glasmacher-
Sippenbuch
. Es
umfaßt 2715 Einträge.

Archäologische Ausgrabung der
Glashütte am
Lakenteich im
Solling:
Die Belegschaft der Hütte ist im Glasmacher-Sippenbuch dokumentiert.

Das in der ersten Auflagen des Werks integriert gewesene Ortssippenbuch Bursfelde wurde ausgegliedert und um 100 Jahrgänge bis um 1900 erweitert: Ortssippenbuch
Bursfelde.

 

 

Glasmacher-Sippenbuch

Werra-Weser-Bergland von der frühen Neuzeit bis zum Beginn
der Industrialisierung um 1820

von Klaus Kunze

Uslar 2000, 520 Seiten, Kunstledereinband.
50 €, ISBN 978-3-933334-10-7 (1).

Aktueller Bearbeitungsstand der derzeitigen Druckauflage: 14.2.2012

Das Werk enthält rund 40 Seiten wissenschaftliche Einführung mit zahlreichen Karten und Abbildungen.
Bei Bestellung hier liefern wir an Genealogen und Glasforscher ohne Porto- und Verpackungskosten: Postkasten
 

 

Kreuzrippenbecher
(Abbildung aus dem Glasmacher Sippenbuch)


Blau eingefärbtes, modelgeblasenes, spätgotisches Weinglas, 15.-Anfang 16.Jh., Rekonstruktion eines Bodenfundes aus der Altstadt von Höxter. Originalhöhe 9,5 cm [(aus Altstadtfunden des Weserberglandes nach Grabungen von Prof. Dr. Hans-Georg Stephan, (Göttingen, Seminar für Ur- und Frühgeschichte der Universität, jetzt ord. Prof. an der Univ. Halle) Zeichnungen Justus Harth und Susanne Droste]

 

 

 

Die Genealogie der Glasmacher bildet eine durch nichts ersetzbare Voraussetzung für die Erforschung der Glasmacherkunst und damit eines wesentlichen Zweiges der neuzeitlichen Wirtschaftsgeschichte. Über Jahrhunderte wurden Glashandwerk und -kunst in immer denselben Meisterfamilien vom Vater dem Sohne weitergegeben. Wie bei den innerstädtischen Zünften verbanden sich auch die in Wäldern verstreuten Glasmeister zu festen Interessenbünden wie dem Spessartbund von 1406 oder im Großalmeröder Bundesbrief der Glasmacher von 1537. Durch vielfache Wanderungsbewegungen der Meister und Gesellen lassen sich familiäre und damit zugleich glasgeschichtliche Zusammenhänge nur durch eine umfassende Bearbeitung erforschen und erkennen.

Es gab im frühneuzeitlichen Deutschland drei personell in sich weitgehend abgeschlossene geographische Glasmachergebiete:

 

● den Spessart und Südwestdeutschland mit abnehmender Bedeutung

● den Thüringer- und Böhmerwald und

● das Werra-Weser-Bergland.

Das Glasmacher-Sippenbuch legt für den letztgenannten geographischen Kernbereich der Glasmacher eine umfassende genealogische Bearbeitung mit dem Ziel vor, alle Glasmacher zwischen Kaufunger Wald, Reinhardswald, Bramwald, Harz, Solling und Hils zu erfassen. Die Kirchenbücher dieser Region wurden vom Verfasser ausgewertet und die 2495 Familien oder einzelne Glasmacher in der hergebrachten Form eines Ortssippenbuches geordnet.

Die bisherige Literatur zu diesem Thema war Stückwerk und bestand aus Einzelaufsätzen, die meist unter dem speziellen Blickwinkel nur eines isolierten familiengeschichtlichen Interesses oder einer bestimmten geographischen Örtlichkeit stehen. Veröffentlichungen wie die Standardwerke von Killing (1926) und Bloß (1977) interessierten sich für die Genealogie jeweils nur partiell und eben soweit, wie es zum Auffinden von Hüttenstandorten und der Wanderungsbewegungen im Groben unerläßlich war.

 

Achtkantiges Paßglas

(Abbildung aus dem Glasmacher Sippenbuch)

Nicht gefärbtes, grünliches Bier- oder Weinglas, schrägoptisch geblasen, mit gekerbten Fadenauflagen, die Pässe zum Aus­trinken bilden, 16.Jh. Die Bärenköpfe und der Dekor der unteren Wandung aus blau eingefärbtem Glas. Rekonstruk­tion eines Bodenfundes aus der Altstadt von Höxter. Originalhöhe 22 cm.

 

 

Aus dem Vorwort:

Im Werra-Weser-Bergland lag eine der drei großen deutschen Glasmacherregionen neben dem Spessart und Thüringer-/Böhmerwald. Im Niemetal, einem Nebenflüßchen der oberen Weser, befinden sich bei Bursfelde seit dem Hochmittelalter bedeutende Hüttenstandorte. Die umliegenden Wälder stecken voller nach und nach archäologisch aufgefundener Hüttenplätze des 13. Jahrhundert bis in die frühe Neuzeit. Von 1397 datiert die erste urkundliche Erwähnung eines Glasmachers im Solling. Im 16. Jahrhundert setzen archivalische Quellen breit an, und ab dem 17.Jahrhundert die Personenregister der Kirchenbücher.
Der Genealogie der Glasmacher war mit rein örtlicher Forschung nicht beizukommen. Ausgehend von Bursfelde und der Weserschiene wurden darum die Kirchen­bücher der Großregion ausgewertet. Vollständig sollen die Glasmacher im Kaufunger Wald, Reinhardswald, Bramwald, Solling und Harzrand bis ins Paderborner Land erfaßt werden. Das Buch möchte die Glasmacher dieses Un­ter­suchungs­gebiets nach Schriftquellen vollständig dokumentieren; in den Rand­bereichen Harz und Ostwestfalen-Lippe, soweit die Daten erreichbar waren. Hinzu kommen identifizierbare Ab­wan­de­rungs­gebiete wie Essen-Königssteele und Holland, wo Fami­lien etwa aus Oedelsheim und Burs­felde an der Weser im 18.Jahr­hun­der­ten hin­wan­derten.

 

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Bei den Pionier­werken von Margarethe Killing und Otto BLOSS über Glashütten lag das Gewicht darauf, genea­logische Forschung für die Suche nach Glashüttenstandorten ­zu nutzen und die Hütten­standorte möglichst vollständig zu erfassen. Komplette Genea­lo­gien zu erstellen und diese vielleicht auch aus Sicht ganz anderer Disziplinen zu be­trachten, war nicht das Ziel. BLOSS grenzte sein Thema überdies regional ein auf Süd­nie­der­sachsen. Aus personen­geschicht­licher Sicht hat die räumliche Begrenzung auf die heu­tige Landesgrenze aber keinen Sinn. Die Glasmacherfamilien hatten im land­schaftlich weitgehend ein­heitlichen und in vieler Weise wirtschaftlich verknüpften Wald­­gebiet von Kau­funger Wald, Reinhardswald, Bramwald, dem Solling und nördlich an­gren­zenden Wäl­dern sowie dem westlichen Harz­rand ihren na­­tür­lichen, einheitlichen Ent­fal­tungs­rah­men.

Ziel dieser vor allem genealogische Quellen auswertenden Arbeit war es nicht, zusätz­liche Erkenntnisse darüber zu gewinnen, welche Hütten es wann und wo genau gab. Das haben Killing, Bloß und andere schon lange versucht und für das 17. und 18. Jh. wohl auch weitgehend geklärt. Hier soll hin­gegen möglichst genaues Material über die mit der Glas­her­stellung befaßten Personen und Familien vorgelegt werden. Dieses eignet sich außer für genuin genealogische Zwecke auch als Basis etwaiger sozial-­ und wirtschaftsgeschichtlicher Untersuchungen.
Personengeschichtlich sind skizzierten Wanderungs­bewe­gungen wegen der „zigeunerhaften“ Lebensform der Glashüttenleute nicht einfach zu erforschen. So hieß es am 17.6.1826 im Bericht des Kreisamtes Rinteln
 über die Glasmacher der Fabrik in Obernkirchen:

„Dieses Völkchen hat nämlich in der Rücksicht viel Ähnlichkeit mit den Zigeunern, daß sie ihre Wohnungen bald hier bald da, wo eine Glasfabrik raucht, und Gelegenheit zum Verdienst ist, aufschlagen und selten ein anderes forum als das forum originis haben, dessen Ermittelung noch dazu nicht immer möglich ist, da einestheils der Producent eines Geburtsscheines nicht immer die Identität seiner Person nachzuweisen vermag, andern­theils der Geburtsort öfters eine, in einem Walde liegende Glashütte ist, welche einer bestimmten Gemeinde nicht einmal zugehört.
Dabei sind die Glasmacher ungebildeter und roher als andere Leute ihrer Art und bei ihrem guten   Verdienst ziemlich verwegen, so daß der Fabrikherr bei einer ungewöhnlichen - geschweige denn wirklich lästigen – Anforderung seine Noth mit ihnen hat und nur Gefahr läuft, daß sie seinen Dienst verlassen und dadurch seine Fabrik lahm legen. Zu der harten Arbeit der Glasmacher lassen sich nämlich nur die Kinder der Arbeiter an und nur nach einer langen, mühevollen, schon im siebten Jahre anfangende und vielleicht im zwanzigsten erst vollendeten Lehrzeit, wenn letztere gleich nach den Hand­werksbräuchen in fünf Jahren vollendet sein soll - ist der Glasmacher zu allen Geschäften geschickt.
 

Lage einer typischen Waldglashütte 1685

Haben Glasmachersippen sich aus der Bevölkerung der Umgebung durch Heiraten ergänzt? In welchem Umfange wanderten Holz­hauer, Fuhrknech­te und einfache Ar­beiter mit, wenn die Wanderglashütte ver­legt wurde? In welchem Umfang und in wel­­chen Zeiten schieden Glasmacher aus ih­rem Gewerbe aus und ergriffen andere Be­rufe? Antworten auf diese und viele andere Fra­ge­stel­lun­gen mehr mag der Inter­­essier­te die­ser Da­ten­samm­lung ent­neh­men. Umfas­sen­de sozialge­schicht­liche Fra­ge­stellungen hat mit genealogischen Methoden zum Beispiel E.Voland unter­sucht, indem er sämt­liche Kirchen­bücher der Groß­gemeinde Krumm­­­hörn in Ost­friesland aus­wertete, den Rech­ner der Universität Göt­tingen mit ihnen fütterte und an­thro­pologische Er­kenntnisse ge­wann.

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